Kraftzwerg
Schon seit den 60er Jahren ist es kein wirklich gut gehütetes Geheimnis mehr, dass große Motoren in recht kleinen und vor allem leichten Autos für eine Menge Spaß in allen Lebenslagen sorgen können. Diese Kombination war damals die Grundlage für die wohl wahnwitzigste Ära in der amerikanischen Automobil-Geschichte, aber davon vielleicht später mehr.
Nun, wie komme ich darauf? Der Grund ist der Aston Martin RS, das beste Beispiel dafür, dass Ingineure diesem Rezept auch über 40 Jahre später nichts entgegenzusetzen haben. Es funktioniert einfach. Wenn sich jetzt der eine oder andere fragt, wie breit das Grinsen denn werden kann, sollte man den Wagen mal in die Finger bekommen, diesen Leuten sei gesagt: das ist eine ganz heftige Angelegenheit. Der RS basiert auf dem V8 Vantage Coupe. Allerdings hat man den ohnehin schon alles andere als schwachen 4,3-Liter V8 durch einen V12 aus dem Motorsport ersetzt.
Trockensumpfschmierung, Fächerkrümmer, geschmiedete Kolben, Spezialpleuel, neue Köpfe und eine überarbeite Ventilsteuerung sorgen dafür, dass sich in dem Motor ganze 600 Pferde tummeln und nur darauf warten, dass sie endlich lossprinten dürfen. Das maximale Drehmoment liegt bei 690 Nm und ist bei 6250 U/min zur Stelle. Aber damit noch nicht genug: um die Leistung noch brachialer zu Werke gehen zu lassen, hat man auch noch das Geweicht des Wagens auf unter 1.600 kg geschraubt.
Nicht zu vergessen ist natürlich der Sprint von 0 auf 100, der nach gut 4 sec Geschichte ist.
Tja, das ist es also, das Traumauto eines jeden Geschwindigkeitsfetischisten und Tankwart-Duzers. Aber leider wird es davon – wenn überhaupt – nicht besonders viele geben, höchstens eine Kleinserie. Allerdings ist der Aston Martin RS keinesfalls Alleinherrscher auf diesem Terrain. Spontan würde mir da noch der Hartge H50 einfallen. Mal sehen, was die Zeit noch bringt…
Die von mir verwendeten Informationen gibts hier. Und wer sich diesen Brachial-Sportler mal anschauen und die Soundkulisse genießen möchte, sollte sich auch noch das Video anschauen.
Viel Spaß damit!
Add comment Dezember 13, 2008
Mit einem Grinsen in die Klimakatastrophe
Der Dodge Challenger. Als Top-Version SRT8 hat er bereits diversen Autojournalisten ein sehr breites Grinsen ins Gesicht gemeißelt. Der Hemi-V8 lässt einen eben spielend über das – typisch amerikanische – Plastikinterieur hinwegsehen. Im Folgenden möchte ich euch einen kleinen Überblick darüber geben, was den US-Car-Freak im nächsten Jahr erwarten wird.
Natürlich wird auch wieder das Top-Modell mit von der Partie sein: der SRT8 (6,1 Liter V8 und 425 PS), gefolgt von einem kleineren Hemi (mit „nur“ 5,7l und 370PS) und dem SE mit einem 3,5 Liter V6 und 250 PS. Preislich spielt sich das Ganze so zwischen 22.000 Dollar für den „Einstiegschalli“ SE und 40.000 Dollar für das Top-Modell SRT8 ab.
Auch wenn es bei einem Auto wie dem Challenger nicht ganz so entscheidend ist, gehe ich hier mal kurz auf die Spritverbräuche ein:
Der SE verbraucht in Kombination mit einem 4-Stufen-Automatikgetriebe ein Stadtverbrauch von 13 Litern und über Land genehmigt er sich sehr entspannte 9,4 Liter. Für den RT konnte ich keine genauen Angaben herausfinden, allerdings soll der kleine Hemi mit einem MDS-System (Multi-Displacement-System) ausgestattet werden, womit der Wagen laut Chrysler bis zu 20% Sprit einsparen kann. Ok, und beim SRT hüllt man sich wohl ganz in Schweigen. Laut Test the Max (Playboy) genehmigt sich das Topmodell so zwischen 16 und 20 Litern. Aber hey, wen interessiert beim SRT schon der Verbrauch? Bei McDonald´s fragt ja auch keiner ob es schmeckt.
Ausstattungstechnisch kann man sowohl den R/T (steht übrigens für Road and Track) als auch den SRT (Street-Racing-Technology) mit einem Track-Pak ordern. Zitat:
Mit einem „Track Pak“ genannten Ausstattungspaket kann der Kunde sich noch ein Tremec Sechsganggetriebe mit Pistol-Grip-Shifter dazubuchen. In Verbindung mit dem manuellen Getriebe leistet der HEMI dann noch weitere 5 PS und 8 Nm mehr. Die Berganfahrhilfe, ein Sperrdifferenzial, eine Sportlenkung und glänzende Pedalabdeckungen gehören ebenfalls ins „Track Pak“.
Natürlich hat auch die Tuningindustrie ein Auge auf das neue Musclecar geworfen. Einige Profis haben sogar schon ordentlich Hand angelegt. So wird es zum Beispiel von Steve Saleen zwei Challenger geben, die beide auf dem R/T basieren. Ebenfalls werden die beiden den 5,7 Liter Hemi mit zusätzlicher Aufladung gemein haben. Unterschiede wird es dann bei der Leistung geben: der eine hat 500, der 700 PS.
Am Ende möchte ich Euch noch ein Video von der Sema zeigen, wo es schon mal einen Vorgeschmack darauf gibt, welche Möglichkeiten man hat, wenn man mit dem SRT8 is ein persönliches Leistungsloch fällt. Auch optisch lässt sich da an dem ohnehin schon verdammt coolen Retro-Racer noch einiges verbessern, damit er noch brachialer wirkt.
Ich hoffe, ich konnte Euch einen guten Überblick und einige Informationen geben.
Die Informationen für diesen Artikel gibt es hier und hier. Natürlich alles ein bisschen ausführlicher.
Add comment November 25, 2008
Kolumne: US-Autokrise – das Ende der Freiheit?
Zugegeben, ich bin ein großer Fan amerikanischer Autos. Ich liebe diese übergroßen, chromblitzenden Straßenkreuzer mit ihren entweder bollernden oder säuselnden V8-Motoren. Es gibt einfach nichts, was geiler ist. Auch die sehr unterschiedlichen Szenen lassen keinen Geschmack unberücksichtigt, sei es nun Old-School, Musclecars oder einfach nur die Custom-Szene. Allerdings fühlt man sich als Leser einiger Fachmagazine manchmal wie ein Exot. „Dat kann man doch heute gar nich mehr bezahlen, da fängse´ doch an zu heulen anner Tanke“, schallt es einem schon mal entgegen, wenn man die Zeitschriften an der Kasse bezahlen möchte. Mag sein. Aber es ist eben eine Leidenschaft. Und Leidenschaften kann man nun mal nicht ökonomisch erklären. Leider besitze ich selbst noch kein US-Car, deshalb muss ich mich mit Magazinen, Büchern und Besuchen von Treffen zufrieden geben. Und immer wieder ist es einfach nur der Wahnsinn. Der Anblick der Autos und der Sound lassen sämtliche ökologische Bedenken außen vor, um genug Platz zu lassen für ein einziges Gefühl: das Gefühl der Freiheit, das Gefühl, mit einem dieser Fahrzeuge über den Highway zu fahren, am besten mit einem Cabrio. die Sonne knallt vom stahlblauen Himmel herab und der Fahrtwind pustet ins Gesicht. Genau dieses Szenario ist es, das mich immer wieder aufs Neue mit dem Gedanken an den Kauf eines amerikanischen Autos spielen lässt. Und mal ganz ehrlich: was können die ganzen Hasser denn vorbringen als Argumente, wenn man den Spritverbrauch mal außen vor lässt (der ist übrigens auch recht flexibel)? Viele Tester beklagen das ami-typische Plastikinterieur. Hallo? Ich brauch kein lederbezogenes Armaturenbrett, da sitz ich ja schließlich nicht drauf. Oder bei der neuen Corvette: Querblattfedern. Na und? Hautsache, es funktioniert. Und das tut es verdammt gut. Veraltete Zwei-Ventil-Technik bei den Motoren? Wen interessiert das? Hauptsache, die Karre geht wie die Hölle, wenn man drauf tritt. Außerdem ist diese alte Bautechnik maßgeblich für den typisch-amerikanischen Sound zuständig, womit wir wieder beim Lebensgefühl wären. Die 8 Zylinder, angeordnet in V-Form, treiben einem Schauer über den Rücken. Es sind die Schauer der Freiheit…
Und genau das ist auch der Grund warum die „Big Three“ Ford, Chrysler und GM nicht sterben dürfen. Es wäre das Ende eines Lebensgefühls, das vielleicht völlig aus der Luft gegriffen ist oder auf verträumten Filmszenen basiert, aber es ist da. Und es besteht die Möglichkeit, vielleicht später mal ein Auto der „Großen Drei“ zu kaufen und sich damit den Traum der Freiheit zu erfüllen, der man schon als Kind hinterhergejagd ist wie andere einem Schmetterling.
Hoffen wir also, dass die Amis noch die Kurve bekommen – für diesen einen Traum der Freiheit und Unabhängigkeit…
4 comments November 22, 2008
Zocker – die Kolumne
Was unterscheidet einen spielsüchtigen Glückspieler von einem spielsüchtigen Computerspieler. Offenbar eine ganze Menge, wenn man den Medien Glauben schenkt. Während es offenbar absolut legitim ist, im Internet mit Poker-Werbung überschüttet zu werden (und damit zum Glückspiel animiert), werden Computerspieler mehr oder weniger in eine dubiose Ecke gestellt. Ich möchte fast sagen, dass jeder Zuhälter ein größeres Ansehen hat, als jemand, der zugibt, dass er World of Warcraft oder Counterstrike spielt, um nur die Hauptsteine des Anstoßes zu nennen. Interessant ist es auch, wenn man sich mal die Wortwahl anschaut. Suggeriert das Verb „Zocken“ in der Pokerwerbung ein Gefühl von Coolness und Überlegenheit, steht es dagegen im Bereich der PC-Spiele für picklige, lichtscheue Pubertätsmonster, die nur ihren Computer kennen, Frauen für Feinde halten und sich überwiegend von Pizza und Cola ernähren.
Ich will dabei gar nicht abstreiten, dass es solche Beispiele gibt. Mir geht es aber verdammt nochmal auf den Zeiger, wenn ich permanent irgendwelche Artikel lese, in denen gelangweilte Untergangspropheten irgendwelche Teufel an die Wand malen. Am besten jeden Tag einen neuen. Ehrlich gesagt, ich finde es gar nicht schlimm, wenn irgendwer den Untergang der Welt verkündet. Zum einen muss ich mir das ja dann nicht anhören, und zu anderen liegen diese Schlaumeier sowieso alle falsch. Wäre es nach Aristoteles gegangen, wären wir vermutlich schon alle nicht mehr da, denn er hat schon vor über 2000 Jahren festgestellt, dass die Jugend unerzogen, verroht und eigentlich ganz furchtbar ist. Alles gottverdammter Bullshit. Nein, was mich so dermaßen auf die Palme bringt, ist die Tatsache, dass diese Verrückten auch noch Gehör finden, solange sich ihre Untergangstheorie auf der Existenz von Killerspielen aufbaut. Spielcasinos sind dagegen vollkommen in Ordnung.
Es ist auch noch niemand im Universum der Glückspielindustrie versunken und hat dabei Haus, Hof, Frau oder was auch immer versetzt, nur um an noch mehr Geld zu kommen, das dann gleich wieder investiert und verloren wurde. Natürlich nicht. Man geht ja auch nicht zu Lidl und glaubt, man sei unbeobachtet. Das Bild des Spielsüchtigen ist einzig und allein ein Problem von Blizzard Entertainment, die durch die Spielkonzeption von WoW eine ganze Reihe verkrachter Existenzen auf dem Gewissen haben.
Sagt mal, denkt da auch noch irgendein Redakteur? Da wundert man sich allen Ernstes, dass die Printmedien in der Krise sind und die Internet-Portale ein Qualitätsproblem haben und haut erstmal so einen Artikel raus.
Ich oute mich jetzt einfach mal als Spieler, der gleich beide Alpträume aller Psychologen gespielt hat (Erfolge wie Abitur und Studium lass ich einfach mal unrerwähnt). Und trotzdem meine ich den nächsten Satz vollkommen ernst: Sollen sie doch verdammt nochmal WoW und CS verbieten, dann aber bitte auch noch alle Spielcasinos. Da das aber nicht passieren wird, wünsche ich allen Spielern weiterhin viel Spaß.
Euer Jack
Add comment November 21, 2008
Small-Talk
Jeder kennt ihn. Den Smalltalk. Beliebtes Kommunikationsmittel auf Parties, die mit ihrer lauten Musik ohnehin kaum eine andere Alternative übrig lassen. Oder auch im Aufzug, in Warteschlangen, an der Bushaltestelle, im Taxi – überall versucht man mit dieser Art der Unterhaltung die Zeit zu überbrücken.
Ich hatte just am Wochenende mal wieder das Vergnügen, mich in der Kunst des Small-Talks zu probieren. Aber was heißt das eigentlich? „Small“ heißt „klein“ und „Talk“ steht für „Rede“ oder „Unterhaltung“. Und da beginnen schon die ersten Zweifel mein Gehirn zu betreten. Unterhaltung? Gespräch? Irgendwie fühl ich mich beim Small-Talk mehr so wie im Kindergarten. Keiner spricht mehr als 2 Worte auf einmal. Außerdem kommt man sich jedes mal so nahe, dass man immer tierisch aufpassen muss, dass man seinem Gegenüber nicht ins Ohr beißt – die laute Musik. Obwohl…das hätte was. Dann wäre ich sozusagen der Mike Tyson des Small-Talks.
Gibt es eigentlich eine Anleitung für einen ST? Nein, ich meine jetzt nicht diese ganzen Flirthilfen, damit verzweifelte Geschöpfe beiderlei Geschlechts unter tierischem Hormondruck endlich auch mal wieder anderen Verkehr erleben, als den vor ihrer Haustür. Ich gebe zu, dass ich nicht gerade ein regelmäßiger Partygänger bin. Und ganz ehrlich: regelmäßig würde ich den Quatsch auch nicht ertragen. Beispiele? Gern:
„Na, du auch hier?“ Was ist das denn bitte für eine Frage? Ich frag meinen Sitznachbar im Flugzeug ja auch nicht, ob wir beide zufällig das gleiche Ziel haben…
Weiter geht es vor der Toilette. Großer Andrang, deshalb eine Schlange. Plötzlich tippt mir der Hintermann auf die Schulter: „Muss´ u auch?“ Ne, wie kommst du denn darauf? Ich schau bloß Männern nur gern beim Pinkeln zu…
Nach der langen Wartezeit vor der Toilette hat man nach der Erleichterung Durst bekommen. Ich stell mich an die Bar. Großes Gedrängel. Glühende Zigaretten und schwankende Gäste wandern bedrohlich nah an mir vorbei. Kein Grund, sich hier freiwillig länger aufzuhalten, wenn man keinen Durst hätte. Schultertippen. „Ey, stehst du auch hier?“ Neee. Ich steh nur so auf den knackigen Hintern hinterm Tresen, verstehste?
Gut, ich bin kein Miesepeter. Es hat auch Spaß gemacht. Aber dieser Small-Talk macht mich jedes mal fertig. Irgendwie brauch ich da tatsächlich eine Anleitung. Ach, und wenn wir schon mal dabei sind, die Flirthilfe würde ich auch mal kurz überfliegen, aber nur zur Inspiration für satirische Blogtexte, versteht sich…
Einen schönen Wochenanfang wünscht Euch
Euer Nachtwächter
Add comment November 17, 2008
Die Mär vom bösen Schäferhund
So ein Hund ist was feines. Er ist ein Freund, Begleiter und ein toller Spielkamerad. Und wenn man doch mal traurig ist, setzt er sich dazu und spendet Trost. Manchmal setzt er aber auch alles daran, seinem menschlichen Kumpel ein Lachen ins Gesicht zu zaubern. Diese Versuche sind für sich gesehen einfach derart komisch, dass man schon bei der Ausführung herzhaft lachen muss. Und der Hund ist glücklich, da er seine Mission erfüllt hat. Außerdem zwingt einen der Hund zum Rausgehen, denn auch, wenn man einen Garten hat, kann dieser nicht den täglichen Spaziergang ersetzen.
Gerade als Großhunde-Besitzer hat man bei solchen Spaziergängen einen schweren Stand. Kennt Ihr auch diese etwas spießigen Rentner mit ihren kleinen, hysterischen Hunden? Wenn diese Gespanne dann die Spazier-Route kreuzen, spielt sich das immer so ab:
Während man selbst einen total entspannten Hund an der Leine hat, beginnt der kleine Zwerg zu knurren. Völlig erschrocken vom Anblick des zähnefletschenden Schäferhundes, wird er von seinem Dosenöffner an der Leine in die Luft gerissen.
Soweit die Situation. Die Folge: das Halsband schnürt sich um den Hals des armen Kleinen, seine Augen treten hervor, die Luft bleibt weg und der Hintenr schleift mehr oder weniger über den Asphalt. Kurz gesagt: er hat Panik. So, und jetzt kommt dieser Spruch, den jeder Besitzer eines größeren Hundes schon mal gehört hat: „Der wurde vor 2 Wochen vom Schäferhund gebissen, deswegen ist der so.“ Währenddessen zieht das panische Herrchen seinen mittlerweile japsenden, betenden Hund in ruckartigen Zügen an uns vorbei. Die Zunge wird schon blau, der Hintern ist wund gescheuert vom rauhen Asphalt. Das sind keine Schmerzen, die der Hund hat. Nein, natürlich nicht. Das ist die Angst vor diesem agressiven Schäferhund, besser bekannt als hechelnder Beißknorpel.
Damit ist das Schauspiel vorüber. Mein pelziger Begleiter schaut mich verdutzt an und wir setzen unseren Spaziergang fort. Weit hinter uns kann man noch ein erschöpftes Husten eines kleinen Zwerges vernehmen, begleitet vom Blätterrauschen des Parks…
2 comments November 14, 2008
Eine unbequeme Wahrheit über eine unbestrittende Idylle
Ich lebe in einer Großstadt. Das allein ist erstmal nichts besonderes. Das tun Millionen andere Menschen auch. Für mich war es aber ein ziemlich krasser Wechsel. Ich komme zwar nicht wirklich vom Lande, aber so richtig in der Stadt bin ich auch nicht aufgewachsen. Deshalb war der aus Studiengründen notwendige Umzug in eine Großstadt wie ein Wurf ins kalte Wasser: zuerst hart, aber mit der Zeit gewöhnt man sich dran. Und so kann ich die richtigen Stadtmenschen gut verstehen, wenn sie bei der Ferienplanung von einem Ort „irgendwo im Grünen“ träumen.
Bei der Ankunft ist man dann erstmal total überwältigt. Der Himmel ist blau, die Sonne scheint, Vögel zwitschern und unzählige Schmetterlinge, Falter und natürlich fleißige Bienen machen sich über die schier unendlich weiten Blumenwiesen her. Auch die Enten haben im nahegelegenden See ihren Spaß. Tolles Szenario, oder? Soll ich weitermachen? Ja? Gut!
Während man selbst gerade die Handtücher am Ufer des Sees ausbreitet, wird in dem See gerade eine Kaulquappe abgemurkst. Tja, da war die Libellenlarve wohl schneller. AUf der Blumenwiese macht eine Armee von Ameisen kurzen Prozess mit einer Raupe, die sie dann zu ihrem Staat transportieren. Die Vogeleltern, die durch ihren reizenden Gesang maßgeblich für die aufkommende Urlaubsstimmung verantwortlich sind, lassen gerade eines ihrer Jungen verhungern, da es viel zu klein und zu schwach ist. Wie nannte Darwin das noch gleich? Survival of the fittest. Tja, da ham die Kleinsten immer die A-Karte gezogen. Plötzlich zieht es sich zu. Ein Gewitter prasselt auf die Erde nieder. Und schon geht das Morden weiter, denn die Vogeleltern müssen ja weiter füttern. Vom Regen angelockt, schaut ein Regenwurm aus dem Boden. Das Letzte, was er sah, war eine gierige Drossel. Und die Fliege, die von einem Tropfen erwischt wurde, sitzt benommen am Boden. Welch eine Chance für die Kröte, die gerade vorbeikommt. Das Gewitter zieht vorüber. Die Menschen trauen sich wieder ins Freie.
Es wird Abend und die untergehende Sonne hüllt das Schlachtfeld in einen Mantel roten Lichts. Die Spinne begutachtet noch schnell die Ausbeute des Tages und spinnt sie notdürftig ein. Die Nacht bricht herein. Die Menschen gehen zu Bett und freuen sich auf einen neuen Tag, dessen Sonnenuntergang viele andere Tiere in ihrer direkten Umgebung nicht erleben werden.
Na, Lust bekommen auf die Idylle unberührter Natur?
Es wünscht eine gute Nacht
Euer Nachtwächter
3 comments November 11, 2008
Doppelt hält besser
In einer meiner letzten Kolumnen, die zugegebenermaßen schon recht lange zurück liegt, habe ich mich ja mit dem Unterhaltungsstil für Zweiwortfetischisten beschäftigt – dem Smalltalk. Allerdings gibt es noch viele weitere Verständnispannen, gerade im Restaurant. Zuvor aber noch ein kleiner Dialog, wie er sich fast jedes Mal beim Gyros-Grill meines Vertrauens abspielt. Viel Spaß!
„N´abend. Ein Gyrosbrötchen mit Rindfleisch und scharfer Soße zum Mitnehmen bitte.“
„Gyros?“
„Ja!“
„Rind oder Geflügel?“
„Rind!“
„Scharf oder nicht so scharf?“
„Scharf!!!!“
„Zum Hier-Essen oder Mitnehmen?“
„Mitnehmen, vedammt!“
Manchmal habe ich ja das Gefühl, dass diese Figuren hinter der Theke gar keine echten Menschen sind, sondern Roboter, die aber erst registrieren, dass man etwas möchte, wenn man die Bestellung schon aufgegeben hat. Mal ehrlich: so doof kann doch nun wirklich niemand sein, oder? Ist so ein normaler deutscher Satz vielleicht schon zu lang? Oder zu schwierig? Was ist das Problem? Bitte sagt es mir, damit ich darauf reagieren kann. Ich bin doch kein Papagei. Aber das ist längst kein Problem von Griechen oder Türken. Auch bei McDonald´s habe ich mich schon daran gewöhnt, alles zwei mal zu bestellen.
Mindestens als genauso nervig stellen sich manche Service-Kräfte in Restaurants heraus. Wieso muss ich immer direkt bei Erhalt der Speisekarte sagen, was ich trinken möchte. Vieleicht weiß ich das ja noch gar nicht? Diese schrecklich nervige Angewohnheit nötigt mich als Gast immer wieder zu einer Art Wettkampf. So schlage ich bei Erhalt der Karte direkt hinten auf, um blitzschnell die Getränke zu checken, während im Hinterkopf die Zeit bis zur Getränkefrage tickt.
Richtig interessant wird es, wenn die Selbsteinschätzung durch die Selbstüberschätzung ersetzt wird. Heißt im Klartext: Aufnahme der Bestellung ohne Zettel und Stift.
„Och, das geht schon“. Natürlich! Und nachher kommen sie dann ganz aufgeregt zurück und fragen nochmal nach den Getränken. Manchmal fragen sie auch nicht. Obwohl es dringend nötig gewesen wäre. Dann herrscht großes Rätselraten und eifriges Studieren der Cocktailkarte. Währenddessen darf jeder mal an jedem Cocktail schlürfen. Das wiederum freut jeden Virus. Klar, die wollen doch auch mal was von der Welt sehen. Und wenn man dann endlich das ausgesuchte Getränk gefunden hat, ist es so gut wie leer. Ach ja, dem Überraschungseffekt beim Servieren des Essens widme ich wohl eine eigene Kolumne.
Also ne, dann lieber alles zweimal bestellen. Doppelt hält eben besser. Punkt.
Euer Jack
Add comment November 10, 2008
Über den so unheimlich intelligenten Menschen
Anlässlich der NS-Vergleiche des Hans-Werner Sinn und Christian Wulff…
Es kommt oft vor, dass ich mich auf meinem „Hauptblog“ über viele Dinge aufrege, bei denen ich mir nur an den Kopf schlage. Besonders häufig tue ich das allerdings, wenn ich etwas ganz bestimmtes in akuter Gefahr sehe: den gesunden Menschenverstand. Viele Leute sind ja der Meinung, dass man Tiere nicht auf die gleiche Stufe stellen könnte, wie die Menschen. Wir seien schließlich viel intelligenter und weiter entwickelt, als so manches Tier. Und genau da packt er mich: der große Zweifel. Allerdings nur an der einen Hand. An der anderen ist es der gesunde Menschenverstand, der aufgeregt – wie ein kleines Kind, das unbedingt ein Eis möchte – an mir rüttelt. Achtung, Achtung. Nachtwächter in Gefahr, Nachtwächter in Gefahr! So ähnlich kann man sich die Situation vorstellen, die sich dann in mir abspielt. Sollte der Mensch wirklich so viel intelligenter sein, als die Tiere? Klar, sagen die einen. Schau nur an, was der Mensch alles geschaffen hat. Die anderen sind der Meinung, dass der Mensch die größte Intelligenz hat und somit über den Dingen steht.
So, und jetzt ist mal Schluss hier – Schluss mit diesem analytischen Gequassel. Natürlich ist es totaler Bullshit zu glauben, dass der Mensch so viel schlauer ist, als zB eine Maus. Oder habt Ihr schon mal eine Maus gesehen, die eine Mausefalle baute, um ihre eigenen Artgenossen umzubringen? Nein? Korrekt! Kein Tier auf diesem Planeten ist so bescheuert und investiert Unmengen an Zeit und Energie, um seine Artgenossen möglichst effektiv und zahlreich ins Reich der Mythen und Sagen zu befördern. Für ein Tier zählt das Hier und Jetzt. Hier gilt es einen Auftrag zu erfüllen, sonst nirgendwo.
Wären die ersten Lebewesen auf diesem Planeten so doof gewesen wie der Mensch, hätte man die Geschichte vermutlich komplett anders erzählen müssen. wahrscheinlich wären wir dann gar nicht hier. Aber keine Angst: das hätte uns dann auch nicht gestört. Wieso ich das glaube? Stellt Euch mal folgende Situation vor: Anstatt sich fortzupflanzen und die Evolution anzutreiben, führen die Krebse im Wasser einen Vernichtungskrieg gegeneinander. Und am Ende ist nur noch ein Bruchteil an Krebsen da, der sich fortpflanzen kann und die Evolution hätte sich noch Millionenjahre hingezogen. Vermutlich würden dann gerade erst die Dinos über die Erde stampfen. Aber wie gesagt: Stören würde es niemanden.
Verhaltensweisen wie Paarung (natürlich), Brutpflege, Aufzucht, Monogamie (für Boris Becker unvorstellbar) und ein Sozialverhalten (Unterstützung der Artgenossen) gibt es auch alles Im Tierreich. Wo also liegt er, der Voteil oder Vorsprung, der uns angeblich so viel besser macht als die Tiere?
Es wünscht eine gute Nacht
der Nachtwächter
Add comment November 8, 2008
Nachtwächters Traum
Momentan wird ja überall diskutiert, wer den jetzt Schuld an der Automobilkrise in Deutschland hat. Die einen sagen, es seien die sehr hohen Preise deutscher Autos, andere sagen, es läge an der verfehlten Technikentwicklung in Richtung mehr PS und größere Autos. Abseits der ganzen Froschträger, CO2-Verteufler und Miesepeter hat der Nachtwächter mal diese Geschichte geschrieben:
Jack war sprachlos. Da stand er vor ihm in all seiner Größe und Eleganz. Ein amerikanischer Riese in Schwarz, natürlich mit ordentlichem V8. Die Tour versprach spaßig zu werden. Er stieg ein, drehte den Schlüssel um und lauschte dem bedrohlichen Grollen, das die 8 Zylinder in die warme Morgenluft brüllten. Noch vorsichtig mit dem Gaspedal spielend, verließ Jack das Gelände. Das sollte nun für 2 Tage sein Auto sein. Beim Druck aufs Gaspedal musste er unweigerlich grinsen, einfach zu geil. Aber darf man ein solches Auto heutzutage noch ruhigen Gewissens fahren? Jack quälten die Gedanken von ertrinkenden und verhungernden Eisbären, denen der Lebensraum wegtaut. Andererseits war es nicht sein Auto, er besaß es ja nur 2 Tage, außerdem ist es kein Alltagswagen. Sich diese Gedanken vor Augen führend, trat er den V8 erneut und raste über die Landstraße. Der Bigblock bollerte und der Wind drückte Jack den amerikanischen Sound in die Ohren. Über ihm nichts als der Himmel. Ja, das war sie, die Freiheit!
Es wünscht eine gute Nacht
Euer Nachtwächter
Add comment Oktober 29, 2008