Zocker – die Kolumne
November 21, 2008
Was unterscheidet einen spielsüchtigen Glückspieler von einem spielsüchtigen Computerspieler. Offenbar eine ganze Menge, wenn man den Medien Glauben schenkt. Während es offenbar absolut legitim ist, im Internet mit Poker-Werbung überschüttet zu werden (und damit zum Glückspiel animiert), werden Computerspieler mehr oder weniger in eine dubiose Ecke gestellt. Ich möchte fast sagen, dass jeder Zuhälter ein größeres Ansehen hat, als jemand, der zugibt, dass er World of Warcraft oder Counterstrike spielt, um nur die Hauptsteine des Anstoßes zu nennen. Interessant ist es auch, wenn man sich mal die Wortwahl anschaut. Suggeriert das Verb „Zocken“ in der Pokerwerbung ein Gefühl von Coolness und Überlegenheit, steht es dagegen im Bereich der PC-Spiele für picklige, lichtscheue Pubertätsmonster, die nur ihren Computer kennen, Frauen für Feinde halten und sich überwiegend von Pizza und Cola ernähren.
Ich will dabei gar nicht abstreiten, dass es solche Beispiele gibt. Mir geht es aber verdammt nochmal auf den Zeiger, wenn ich permanent irgendwelche Artikel lese, in denen gelangweilte Untergangspropheten irgendwelche Teufel an die Wand malen. Am besten jeden Tag einen neuen. Ehrlich gesagt, ich finde es gar nicht schlimm, wenn irgendwer den Untergang der Welt verkündet. Zum einen muss ich mir das ja dann nicht anhören, und zu anderen liegen diese Schlaumeier sowieso alle falsch. Wäre es nach Aristoteles gegangen, wären wir vermutlich schon alle nicht mehr da, denn er hat schon vor über 2000 Jahren festgestellt, dass die Jugend unerzogen, verroht und eigentlich ganz furchtbar ist. Alles gottverdammter Bullshit. Nein, was mich so dermaßen auf die Palme bringt, ist die Tatsache, dass diese Verrückten auch noch Gehör finden, solange sich ihre Untergangstheorie auf der Existenz von Killerspielen aufbaut. Spielcasinos sind dagegen vollkommen in Ordnung.
Es ist auch noch niemand im Universum der Glückspielindustrie versunken und hat dabei Haus, Hof, Frau oder was auch immer versetzt, nur um an noch mehr Geld zu kommen, das dann gleich wieder investiert und verloren wurde. Natürlich nicht. Man geht ja auch nicht zu Lidl und glaubt, man sei unbeobachtet. Das Bild des Spielsüchtigen ist einzig und allein ein Problem von Blizzard Entertainment, die durch die Spielkonzeption von WoW eine ganze Reihe verkrachter Existenzen auf dem Gewissen haben.
Sagt mal, denkt da auch noch irgendein Redakteur? Da wundert man sich allen Ernstes, dass die Printmedien in der Krise sind und die Internet-Portale ein Qualitätsproblem haben und haut erstmal so einen Artikel raus.
Ich oute mich jetzt einfach mal als Spieler, der gleich beide Alpträume aller Psychologen gespielt hat (Erfolge wie Abitur und Studium lass ich einfach mal unrerwähnt). Und trotzdem meine ich den nächsten Satz vollkommen ernst: Sollen sie doch verdammt nochmal WoW und CS verbieten, dann aber bitte auch noch alle Spielcasinos. Da das aber nicht passieren wird, wünsche ich allen Spielern weiterhin viel Spaß.
Euer Jack
Entry Filed under: Gesellschaft. Schlagworte: WoW, CS.
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