Kolumne: US-Autokrise – das Ende der Freiheit?

November 22, 2008

Zugegeben, ich bin ein großer Fan amerikanischer Autos. Ich liebe diese übergroßen, chromblitzenden Straßenkreuzer mit ihren entweder bollernden oder säuselnden V8-Motoren. Es gibt einfach nichts, was geiler ist. Auch die sehr unterschiedlichen Szenen lassen keinen Geschmack unberücksichtigt, sei es nun Old-School, Musclecars oder einfach nur die Custom-Szene. Allerdings fühlt man sich als Leser einiger Fachmagazine manchmal wie ein Exot. „Dat kann man doch heute gar nich mehr bezahlen, da fängse´ doch an zu heulen anner Tanke“, schallt es einem schon mal entgegen, wenn man die Zeitschriften an der Kasse bezahlen möchte. Mag sein. Aber es ist eben eine Leidenschaft. Und Leidenschaften kann man nun mal nicht ökonomisch erklären. Leider besitze ich selbst noch kein US-Car, deshalb muss ich mich mit Magazinen, Büchern und Besuchen von Treffen zufrieden geben. Und immer wieder ist es einfach nur der Wahnsinn. Der Anblick der Autos und der Sound lassen sämtliche ökologische Bedenken außen vor, um genug Platz zu lassen für ein einziges Gefühl: das Gefühl der Freiheit, das Gefühl, mit einem dieser Fahrzeuge über den Highway zu fahren, am besten mit einem Cabrio. die Sonne knallt vom stahlblauen Himmel herab und der Fahrtwind pustet ins Gesicht. Genau dieses Szenario ist es, das mich immer wieder aufs Neue mit dem Gedanken an den Kauf eines amerikanischen Autos spielen lässt. Und mal ganz ehrlich: was können die ganzen Hasser denn vorbringen als Argumente, wenn man den Spritverbrauch mal außen vor lässt (der ist übrigens auch recht flexibel)? Viele Tester beklagen das ami-typische Plastikinterieur. Hallo? Ich brauch kein lederbezogenes Armaturenbrett, da sitz ich ja schließlich nicht drauf. Oder bei der neuen Corvette: Querblattfedern. Na und? Hautsache, es funktioniert. Und das tut es verdammt gut. Veraltete Zwei-Ventil-Technik bei den Motoren? Wen interessiert das? Hauptsache, die Karre geht wie die Hölle, wenn man drauf tritt. Außerdem ist diese alte Bautechnik maßgeblich für den typisch-amerikanischen Sound zuständig, womit wir wieder beim Lebensgefühl wären. Die 8 Zylinder, angeordnet in V-Form, treiben einem Schauer über den Rücken. Es sind die Schauer der Freiheit…

Und genau das ist auch der Grund warum die „Big Three“ Ford, Chrysler und GM nicht sterben dürfen. Es wäre das Ende eines Lebensgefühls, das vielleicht völlig aus der Luft gegriffen ist oder auf verträumten Filmszenen basiert, aber es ist da. Und es besteht die Möglichkeit, vielleicht später mal ein Auto der „Großen Drei“ zu kaufen und sich damit den Traum der Freiheit zu erfüllen, der man schon als Kind hinterhergejagd ist wie andere einem Schmetterling.

Hoffen wir also, dass die Amis noch die Kurve bekommen – für diesen einen Traum der Freiheit und Unabhängigkeit…

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  • [...] post info Von thearcadier Kategorien: Gesellschaft und Wirtschaft Tags: Chrysler, Ford, Freiheit, GM, US-Autokrise Kolumne: US-Autokrise – das Ende der Freiheit? [...]

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  • 2. Robert  |  November 25, 2008 at 3:18

    Dodge Viper … Mein Traum. Oder ein überdimensionales Cabrio, wo die Gäste hinten auch mit noch so langen Beinen gemütlich sitzen. Da schlägt mein Herz höher. Doch Vernunft muss über Leidenschaft gehen. Leidenschaft darf die Vernunft nicht besiegen. Gegen ein bisschen Leidenschaft wird dann auch keiner was sagen …

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  • 3. thearcadier  |  November 25, 2008 at 3:31

    Ah, der Herr Guder,

    wir sind einer Meinung. Das ist doch schön. Übrigens stammt der Name meines Blogs „Der rote Hai“ auch daher. In dem Buch „Angst und Schreckn in Las Vegas“ fährt der Protagonist ein eben solches großes, rotes Cabrio, das immer wieder als „der rote Hai“ bezeichnet wird. Mit dem rast er dann immer über die Highways, ein Traum, den ich auch habe (aber ohne die ganzen Drogen, die da noch mitspielten^^).

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  • 4. Christian  |  November 26, 2008 at 10:51

    Das ist schön geschrieben! Unsere Leidenschaft passend in Worte gepackt :)
    Und danke für die Erwähnung im anderen Beitrag :)

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